Was ist das Enneagramm?

Unter dem Namen Enneagramm ist einerseits ein 9 Charaktermuster umfassendes  Persönlichkeitsmodell  (wichtige Autoren: Oscar Ichazo, Claudio Naranjo) und andererseits ein Prozessmodell, in dem 9 typische Phasen, die sich in allen Prozessen beobachten lassen, bekannt (wichtige Autoren: Georg Ivanowitsch Gurdjieff, Klaus Bernd Vollmar). 

Eine kurze Beschreibung des Enneagramms, seiner Geschichte und Anwendungsmöglichkeiten finden Sie am Folder von enneagramm-wien.at, den Sie hier als pdf-Datei downloaden können. 

Die 9 Charakermuster:

Dilemma: Wut - Gelassenheit

Furcht, Fehler zu begehen.

Schätzt: Regeln, Integrität, Selbstkritik, Disziplin, Ordnung

Dilemma: Stolz - Bescheidenheit

Furcht, nicht geliebt zu werden.

Schätzt: Bedürfnisse der anderen, menschliche Beziehungen, Aufmunterung, Gegenleistung

Dilemma: Betrug - Wahrhaftigkeit

Furcht vor Misserfolg.

Schätzt: Erfolg, Sieg, Tüchtigkeit, Effektivität, Image, Aussehen, Tun, Umsetzung

Dilemma: Neid- Ursprünglichkeit

Furcht, verlassen zu werden.

Schätzt: starke Emotionen, Gefühle, Besonderheit, Schönheit, Ästhetik

Dilemma: Habsucht - Objektivität

Furcht, in Beschlag genommen zu wrden.

Schätzt: Lebensraum, Nachdenken, Unabhängigkeit, kühlen Kopf, Intellekt

Dilemma: Furcht - Mut

Furcht, verraten zu werden.

Schätzt: Umsicht, Sicherheit, Loyalität, klare Situationen, Vorsicht, Vorausschau

Dilemma: Unmäßigkeit - Mäßigkeit

Furcht, eingesperrt zu sein.

Schätzt: Genuss, Vergnügen, Neuigkeit, Pläne, Optimismus, Gedankenassoziationen

Dilemma: Schamlosigkeit - Unschuld

Furcht, schwach ztu erscheinen.

Schätzt: Kampflust, Wutausbruch, Alles-oder-Nichts, Situationen zu beherrschen, Unrecht zu vergelten

Dilemma: Trägheit - Tat

Furcht vor dem Konflikt.

Schätzt: Harmonie, Mäßigung, Einfachheit, Kompromiss, sich Zeit zu nehmen

(c) ÖAE, die Zeichnungen wurden von Tiki Küstenmacher dem ÖAE zur Verfügung gestellt.

 

Hier finden Sie eine weitere kurze Beschreibungen der 9 Charakter Muster: 

http://www.enneagramm.de/enneagramm.php?aktion=typen  

Hier finden Sie eine kurze Einführung ins Enneagramm auf www.enneagramm-forum.ch 

Woher kommt das Enneagramm?

Die Quellen sind wissenschaftlich nicht zu sichern. Die Ursprünge des Enneagramms reichen Jahrtausende zurück bis in den Nahen Osten, wo die Wiege der grossen Menschheitsreligionen stand. Zuerst fassbar wird das Enneagramm bei Pythagoras, einem der grossen griechischen Universalgelehrten (569-496 vor Christus). Er war nicht nur Mathematiker, sondern auch spiritueller Meister, der lange Jahre in den Weisheitsschulen seiner Zeit, in Ägypten und im Irak, studiert hat.  

Jahrhunderte später findet sich das Enneagramm bei Evagrius Ponticus (345-399 nach Christus), einem der sogenannten "Wüstenväter"; sein Einfluss ist heute noch lebendig bei den griechisch-orthodoxen Mönchen auf dem Berg Athos. Anders als bei Pythagoras ist die Tradition des Enneagramms bei Evagrius literarisch greifbar (vgl. Rohr-Ebert 1999, S 22 ff). Aus dem frühen christlichen Mönchtum stammt die spirituelle Einteilung in die 9 Menschentypen.  

In der vielfältigen Literatur wird häufig die These vertreten, das Enneagramm stamme aus der islamischen Sufi-Tradition. Die Sufi-Hypothese ist überholt: das Enneagramm ist in der Sufitradition nirgendwo nachweisbar. Der früheste lit. Nachweis des E. liegt bei Evagrius (vgl. Rohr-Ebert a.a.O. S. 22).  

Der russische spirituelle Lehrer Gurdijeff machte das Enneagramm in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Moskau und Paris bekannt. Seit 1960 wurde das Enneagramm in den USA bekannt. Lange Zeit übten die Jesuiten das Enneagramm als Geheimtradition zur Schulung ihrer Novizen.  

In Deutschland wurde das Enneagramm bekannt durch das Buch von Richard Rohr  / Andreas Ebert das seit 1989 in 23 Auflagen erschien und 1999 eine zweite Bearbeitung erfuhr. Richard Rohr, ein amerikanischer Franziskaner verbreitete das Enneagramm durch Vorträge u.a. auch auf einem Evangelischen Kirchentag. Der lutherische Pfarrer Andreas Ebert übersetzte und überarbeitete diese Vorträge. So entstand die Basisliteratur für das Enneagramm in Deutschland. Andreas Ebert hat auch den Ökumenischen Arbeitskreis Enneagramm (ÖAE) gegründet (1989) und leitete ihn die ersten 9 Jahre lang.

Der christlich-ökumenischen Rezeption des Enneagramms im deutschen Sprachraum folgte bald die fachwissenschaftlich-psychologische: seit Anne Marie Gallen / Hans Neidhardt (1994) "Das Enneagramm unserer Beziehungen" verwenden klinische Psychologen das Enneagramm zunehmend in der Psychotherapie.  

Ebenfalls aus den USA wirkt der Einfluss von Helen Palmer, einer renommierten Psychologin. Sie hat das Enneagramm theoretisch weiter fundiert und es auf den ursprünglich praktischen Zweck, die Schulung von Gruppen, fokussiert. Auch eine Rezeption von Vertretern der Humanistischen Psycholgoie hat stattgefunden: Claudio Naranjo, Margret Fring Keyes und Eli Jaxon-Bear.

(Quelle: ÖAE -Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V./Deutschland - gekürzt, ergänzt und redaktionell  bearbeitet)

Buchtipps:

http://enneagramm.eu/kategorie/buecher