Was ist das Enneagramm?

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Das Enneagramm kann wirkungsvoll Menschen helfen:

  • sich selbst tiefer und besser zu verstehen, das eigene Potential zu nützen sowie Fortschritte in der Entwicklung der Persönlichkeit und eigenen Spiritualität zu machen 
  • mit Partnerschaftskonstellationen befriedigender umzugehen und sich zu Entwicklungen gegenseitig herauszufordern,
  • Gruppen- und Teamprozesse effektiver anzuleiten und Konflikte zu lösen.

ln vielfältigen Arbeitsfeldern hat sich das Enneagramm inzwischen bewährt und in pädagogischen und therapeutischen Kontexten als sehr nützlich erwiesen. Im deutschsprachigen Raum gibt es seit fast 30 Jahren eine große Fülle und Bandbreite von seelsorgerlichen und therapeutischen Erfahrungen.

Unter dem Namen Enneagramm ist einerseits ein 9 Charaktermuster umfassendes  Persönlichkeitsmodell  (wichtige Autoren: Oscar Ichazo, Claudio Naranjo) und andererseits ein Prozessmodell, in dem 9 typische Phasen, die sich in allen Prozessen beobachten lassen, bekannt (wichtige Autoren: Georg Ivanowitsch Gurdjieff, Klaus Bernd Vollmar). 

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Die 9 Charakter-Muster:

Dilemma: Wut - Gelassenheit

Furcht, Fehler zu begehen.

Schätzt: Regeln, Integrität, Selbstkritik, Disziplin, Ordnung

Mehr zum Muster 1

Dilemma: Stolz - Bescheidenheit

Furcht, nicht geliebt zu werden.

Schätzt: Bedürfnisse der anderen, menschliche Beziehungen, Aufmunterung, Gegenleistung

Mehr zum Muster 2

Dilemma: Betrug - Wahrhaftigkeit

Furcht vor Misserfolg.

Schätzt: Erfolg, Sieg, Tüchtigkeit, Effektivität, Image, Aussehen, Tun, Umsetzung

Mehr zum Muster 3

Dilemma: Neid- Ursprünglichkeit

Furcht, verlassen zu werden.

Schätzt: starke Emotionen, Gefühle, Besonderheit, Schönheit, Ästhetik

Mehr zum Muster 4

Dilemma: Habsucht - Objektivität

Furcht, in Beschlag genommen zu wrden.

Schätzt: Lebensraum, Nachdenken, Unabhängigkeit, kühlen Kopf, Intellekt

Mehr zum Muster 5

Dilemma: Furcht - Mut

Furcht, verraten zu werden.

Schätzt: Umsicht, Sicherheit, Loyalität, klare Situationen, Vorsicht, Vorausschau

Mehr zum Muster 6

Dilemma: Unmäßigkeit - Mäßigkeit

Furcht, eingesperrt zu sein.

Schätzt: Genuss, Vergnügen, Neuigkeit, Pläne, Optimismus, Gedankenassoziationen

Mehr zum Muster 7

Dilemma: Schamlosigkeit - Unschuld

Furcht, schwach ztu erscheinen.

Schätzt: Kampflust, Wutausbruch, Alles-oder-Nichts, Situationen zu beherrschen, Unrecht zu vergelten

Mehr zum Muster 8

Dilemma: Trägheit - Tat

Furcht vor dem Konflikt.

Schätzt: Harmonie, Mäßigung, Einfachheit, Kompromiss, sich Zeit zu nehmen

Mehr zum Muster 9

(c) ÖAE, die Zeichnungen wurden von Tiki Küstenmacher dem ÖAE zur Verfügung gestellt.

 

 

Die 3 Energie-Zentren des Enneagramms

 

Das Enneagramm beschreibt 9 verschiedene Grundtypen, die sich im Denken, Fühlen und Handeln unterscheiden. Jeweils drei dieser Grundtypen, die auf dem Enneagrammkreis nebeneinander liegen, sind einem der drei Wahrnehmungs- oder Energiezentren Kopf, Herz oder Bauch zugeordnet. Man kann diese Zentren auch nach den vorherrschenden Handlungsmustern benennen: Denken, Beziehungen knüpfen und Handeln. Darin zeigen sich wichtige Lebensthemen, die für alle Grundtypen, die zum gleichen Zentrum gehören, sehr bestimmend sind. Denn hier zeigen sich die existenziellen Grundbedürfnisse und zugleich auch die ursprünglichen Funktionen, mit Situationen umzugehen.

  • Das Energiezentrum Herz braucht Beziehung und Kontakt zu anderen.
  • Das Energiezentrum Kopf braucht Klarheit, Sicherheit und Orientierung.
  • Das Energiezentrum Bauch braucht Handlung und Autonomie.

Mehr zu den Zentren

 

 

Entwicklungsarbeit mit dem Enneagramm

 

Kein Mensch gleicht dem anderen - auch Menschen, die denselben Enneagramm-Typ leben unterscheiden sich voneinander so wie  gestrickte Wollpulover, die alle nach dem selben Muster gestrickt sind, sich voneinander deutlich unterscheiden je nachdem mit welcher Wolle und welchen Nadeln gestrickt wurde. Ein Teil der Unterschiede lässt sich damit erklären, dass Menschen oft Eigenschaften eines Enneagramm-Musters, das am Kreis des Enneagramms neben ihrem Muster liegt, entwickeln. Hier spricht man von Flügel-Bildung

 

Die Entwicklung des Flügels stellt eine wichtige Möglichkeit für Entwicklungsarbeit mit dem Enneagramm dar. Eine zweite Möglichkeit sind die sogenannten Entwicklungslinien, die mein Muster mit zwei weiteren 

 

Mehr zu Flügel und Entwicklungslinien

 

 

Woher kommt das Enneagramm?

Die Quellen sind wissenschaftlich nicht zu sichern. Die Ursprünge des Enneagramms reichen Jahrtausende zurück bis in den Nahen Osten, wo die Wiege der grossen Menschheitsreligionen stand. Zuerst fassbar wird das Enneagramm bei Pythagoras, einem der grossen griechischen Universalgelehrten (569-496 vor Christus). Er war nicht nur Mathematiker, sondern auch spiritueller Meister, der lange Jahre in den Weisheitsschulen seiner Zeit, in Ägypten und im Irak, studiert hat.  

Jahrhunderte später findet sich das Enneagramm bei Evagrius Ponticus (345-399 nach Christus), einem der sogenannten "Wüstenväter"; sein Einfluss ist heute noch lebendig bei den griechisch-orthodoxen Mönchen auf dem Berg Athos. Anders als bei Pythagoras ist die Tradition des Enneagramms bei Evagrius literarisch greifbar (vgl. Rohr-Ebert 1999, S 22 ff). Aus dem frühen christlichen Mönchtum stammt die spirituelle Einteilung in die 9 Menschentypen.  

In der vielfältigen Literatur wird häufig die These vertreten, das Enneagramm stamme aus der islamischen Sufi-Tradition. Die Sufi-Hypothese ist überholt: das Enneagramm ist in der Sufitradition nirgendwo nachweisbar. Der früheste lit. Nachweis des E. liegt bei Evagrius (vgl. Rohr-Ebert a.a.O. S. 22).  

Der russische spirituelle Lehrer Gurdijeff machte das Enneagramm in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Moskau und Paris bekannt. Seit 1960 wurde das Enneagramm in den USA bekannt. Lange Zeit übten die Jesuiten das Enneagramm als Geheimtradition zur Schulung ihrer Novizen.  

Im deutschen Sprachraum wurde das Enneagramm bekannt durch das Buch von Richard Rohr  / Andreas Ebert das seit 1989 in 23 Auflagen erschien und 1999 eine zweite Bearbeitung erfuhr. Richard Rohr, ein amerikanischer Franziskaner verbreitete das Enneagramm durch Vorträge u.a. auch auf einem Evangelischen Kirchentag. Der lutherische Pfarrer Andreas Ebert übersetzte und überarbeitete diese Vorträge. So entstand die Basisliteratur für das Enneagramm in Deutschland. Andreas Ebert hat auch den Ökumenischen Arbeitskreis Enneagramm (ÖAE) gegründet (1989) und leitete ihn die ersten 9 Jahre lang.

Der christlich-ökumenischen Rezeption des Enneagramms im deutschen Sprachraum folgte bald die fachwissenschaftlich-psychologische: seit Anne Marie Gallen / Hans Neidhardt (1994) "Das Enneagramm unserer Beziehungen" verwenden klinische Psychologen das Enneagramm zunehmend in der Psychotherapie.  

Ebenfalls aus den USA wirkt der Einfluss von Helen Palmer, einer renommierten Psychologin. Sie hat das Enneagramm theoretisch weiter fundiert und es auf den ursprünglich praktischen Zweck, die Schulung von Gruppen, fokussiert. Auch eine Rezeption von Vertretern der Humanistischen Psycholgoie hat stattgefunden: Claudio Naranjo, Margret Fring Keyes und Eli Jaxon-Bear.

(Quelle: ÖAE -Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V./Deutschland - gekürzt, ergänzt und redaktionell  bearbeitet)

 

Mehr Info & Literatur:

 

Standardwerke im Sinne des Enneagrammvesändnisses von Enneagramm-Wien.at & ÖAE: 

 

Richard Rohr / Andreas Ebert: Das Enneagramm. Die 9 Gesichter der Seele

 

Hans Neidhardt / Anna Maria Galen: Das Enneagramm unserer Beziehungen

 

Andreas Ebert: Die Spiritualität des Enneagramms

 

 

 

Weitere Buchtipps finden Sie auf der Homepage des Ökumenischen Arbeitskreises - ÖAE und der Homepage Claudiusverlags